Döppersberg abroad: In der Hardtkaverne

Ungefähr zwei Kilometer östlich des Döppersbergs (oder dem, was momentan davon steht) befindet sich hinter meterhohem Gestrüpp eine unscheinbare Tür im Gestein.

Am Hardtufer befindet sich ein Eingang im Felsen.

Am Hardtufer befindet sich ein Eingang im Felsen.

Wer diese Tür öffnet findet sich, mit beiden Füßen im Matsch stehend, in einem dunklen Bergbaustollen wieder. Dieser wird durch rostige Eisenbögen, verziert mit nicht weniger rostigem Wellblech, am Einstürzen gehindert. Die ganze Zeit hört man das omnipräsente Plätschern von Wasser, welches links und rechts an den Wänden herunterläuft und sich in einem Rinnsal am Boden entlang Richtung Höhleneingang durcharbeitet.

Diese Konstruktion stammt offenbar noch aus den späten '60ern

Diese Konstruktion stammt offenbar noch aus den späten ’60ern

 

Warum macht sich jemand den Aufwand, die Hardt zu durchlöchern?

Die Hardthöhlen sind zum Teil natürlich entstanden, aber zur Zeit des Kalten Krieges mit Nachdruck und Sprengstoff erweitert und verlängert worden. Wie groß die Struktur der natürlichen Hardthöhlen ist, kann man nur schätzen – denn bis heute sind nicht alle Höhlenteile kartiert, geschweige denn erforscht.

Ende der 1960er hat die Stadt begonnen, künstliche Gänge und Höhlen anzulegen resp. die natürlichen Gänge zu erweitern. Mit dem Kalten Krieg im Hinterkopf sollte hier ein unterirdisches Kraftwerk in einer ca. 20 m hohen Kaverne gebaut werden, welches durch die knapp 80 m massiven Gesteins darüber und fast 250 m Gestein drumherum ausreichend vor Kriegen geschützt sein sollte.

Die 20 Meter hohe Kaverne, in der einst das Kraftwerk stehen sollte

Die 20 Meter hohe Kaverne, in der einst das Kraftwerk stehen sollte

Nachdem die Kaverne gebaut war, entschied sich die Stadt anders und hat den Bau des Kraftwerks abgeblasen. Offenbar war die Gefahr eines Atomschlags doch nicht mehr beängstigend genug oder jemand hat festgestellt, dass ein Kraftwerk nach einem Atomschlag nichts mehr hätte, was es versorgen könnte. Am Ende war der Grund für den Abbruch des Projekts wohl eher, dass man wohl nicht genug Wasser in den Berg schaffen konnte um das Kraftwerk überhaupt betreiben zu können.

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Spannender als ein Kraftwerk zu besichtigen welches nie gebaut wurde ist ohnehin die Geologie des Berges: In den Gängen der Hardthöhlen finden sich an den Wänden deutliche Spuren der unterschiedlichsten Gesteinsschichten des Hardtberges.

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Der Hardtberg besteht zum einen aus Schiefer (wie man es in dieser Region erwartet), aber auch aus Kalkstein. Letzterer ist auch verantwortlich dafür, dass zusammen mit der ansehnlichen Menge an Wasser die durch die Höhlen sickert, zentimetergroße Tropfsteine in den Höhlengängen zu finden sind – und das innerhalb weniger Jahrzehnte.

Sinter an den Höhlengängen

Sinter an den Höhlengängen

Wie alt das Gestein ist (da habe ich nicht ganz aufgepasst, aber ein paar Millionen Jahre sind es schon) kann man auch daran erkennen, dass sich hin und wieder versteinerte Meerestiere finden. Vielleicht sind unter der Staubschicht aus Sprengstoff, die sich beim Bau der Hardtstollen überall auf die Wände der Gänge gelegt hat, noch mehr versteinerte Lebensformen zu finden.

Ein versteinertes, längst ausgestorbenes Meerestier.

Eine versteinerte, längst ausgestorbene Art eines Krustentiers – das hat es sich sicher auch anders vorgestellt…

Der Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. betreut seit 2015 die Hardtstollen und erforscht die Höhlenstruktur. Es ist nicht sehr unwahrscheinlich, dass es noch verborgene Gänge und Höhlen im Hardtberg gibt, die noch nie zuvor ein Mensch betreten hat.

Dieses Jahr hat der AKKH eine Sonderführung durch den Hardtstollen veranstaltet – wer selbst einmal in die Höhlen hinein will, sollte die Augen offen halten und sich rechtzeitig für die nächste Führung (1-2 Mal pro Jahr) anmelden, die sind nämlich recht schnell ausgebucht…

Überall gibt es "geheime" Höhlengänge

Überall gibt es noch „geheime“ Höhlengänge

 

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